Nachbericht:
PAL-V zu Gast im Drivers Club München
Manche Abende fühlen sich an wie ein Blick in die Zukunft – nur dass sie nicht nach Science-Fiction klingen, sondern nach Unternehmergeist. Genau so ein Abend war der 10. Februar im Drivers Club in der Motorworld München. Chrom, Leder, Benzingeruch – und mittendrin eine Idee, die seit hundert Jahren durch die Köpfe geistert: das fliegende Auto.
Ich gebe zu, bei mir war es tatsächlich Liebe auf den ersten Blick. Nicht dieses „Ach, ganz spannend“-Gefühl, sondern dieses innere Grinsen, wenn man merkt: Das hier ist ernst gemeint.
Zu Gast war Robert Dingemanse, Gründer und CEO von PAL-V. Kein Showman mit PowerPoint-Feuerwerk, sondern ein Unternehmer, der weiß, was er tut. Einer, der nicht von Visionen redet, sondern von Zertifizierungen, Startbahnlängen und Rotorphysik.
FlyDrive – oder: Warum das kein Lufttaxi ist
Was mir besonders gefallen hat: Robert hat gleich zu Beginn mit einem Mythos aufgeräumt. PAL-V ist kein Air Taxi. Kein eVTOL, das dich von Vertiport A zu Vertiport B bringt wie ein fliegender Bus.
Das Konzept heißt „FlyDrive“.
Du steigst zu Hause ein. Du fährst ganz normal los. Du rollst zu einem kleinen Flugplatz – davon gibt es tausende weltweit. Du hebst ab, überfliegst Stau, Gebirge oder Wasser. Und am Ziel angekommen fährst du einfach weiter.
Tür zu Tür. Ohne Umsteigen. Ohne neue Infrastruktur. Ohne Science-Fiction-Flughäfen.
Und genau da merkt man: Hier hat jemand nicht nur Technik gedacht, sondern Alltag.
Sicherheit, die nicht auf Mut basiert, sondern auf Physik
Der PAL-V Liberty ist kein Helikopter, sondern ein Tragschrauber. Ein Gyrocopter. Das klingt erst einmal nach Flugschule, ist aber im Kern eine ziemlich elegante Lösung.
Der Rotor wird nicht vom Motor angetrieben. Er dreht sich durch den Fahrtwind – Autorotation. Selbst wenn beide Motoren ausfallen sollten, gleitet das Fahrzeug kontrolliert zu Boden. Kein freier Fall. Kein Hollywood-Moment.
Das Ding ist seit 2020 straßenzugelassen. Street legal. Und in der finalen Phase der Luftfahrtzertifizierung. Compliance Demonstration. Klingt trocken – ist aber der Moment, an dem aus Vision Regulierung wird.
150 Meter Startbahn reichen. Keine neuen Milliarden-Infrastrukturen. Keine futuristischen Betonwüsten. Es funktioniert mit dem, was da ist.
Das ist Mittelstand-Denken in Reinform: Nutzen, was existiert. Machen, was Sinn ergibt.
Die Welt schaut längst hin
Was viele unterschätzen: Die „Low Altitude Economy“ ist kein europäisches Gedankenspiel.
In Abu Dhabi wird ein riesiger Cluster für Advanced Air Mobility aufgebaut. In China will man 30 bis 40 Prozent dieses neuen Marktes kontrollieren. In Indien laufen bereits Gespräche auf Regierungsebene.
Und dann sitzt du in München im Drivers Club und merkst: Wir sind mitten in diesem Spiel.
Über 50 Prozent der Reservierungen kommen nicht von Privatleuten, die am Wochenende übers Voralpenland fliegen wollen, sondern aus dem professionellen Bereich. Polizei. Grenzschutz. Medizinische Erstversorger.
Ein Arzt in einer ländlichen Region erweitert seinen Aktionsradius von 50 auf 250 Kilometer. Das ist keine Spielerei. Das ist Versorgungsrealität.
Da wird aus „Wow, cooles Gadget“ plötzlich Infrastruktur.
Unternehmertum bedeutet, früher zu glauben als andere
Das Unternehmen wird aktuell mit rund 1,2 Milliarden Euro bewertet. Vor der finalen Zertifizierung. Angeboten werden Wandelanleihen. Klassisches Pre-Upside-Fenster.
Aber ehrlich gesagt ging es an dem Abend nicht nur ums Investment. Es ging um Haltung.
Du sitzt da, schaust auf dieses Fahrzeug – halb Auto, halb Fluggerät – und stellst dir die Frage:
Wer baut so etwas? Wer hält das durch? Wer geht durch die Jahre der Entwicklung, der Regulierung, der Skepsis?
Unternehmertum heißt genau das. Nicht warten, bis alle klatschen. Sondern anfangen, wenn noch viele die Stirn runzeln.
Was dieser Abend wirklich gezeigt hat
Wir sprechen im Mittelstand oft über Digitalisierung, KI, Souveränität, Märkte. Alles wichtig. Aber am Ende beginnt jede Zukunft mit Menschen, die bereit sind, ein Risiko einzugehen.
Der Drivers Club war an diesem Abend kein Eventraum. Er war Denkraum.
Zwischen Motorhauben und Gesprächen wurde klar: Das fliegende Auto ist nicht mehr die Frage „ob“, sondern „wann“ – und vor allem „wer“.
Wer gestaltet diesen Markt?
Wer ist nur Zuschauer?
Wer sitzt mit am Tisch, wenn neue Industrien entstehen?
Genau deshalb schaffen wir solche Abende. Nicht für Applaus. Nicht für Show. Sondern für Gespräche, die vielleicht in ein paar Jahren als Anfang einer neuen Branche gelten.
Ich mag diese Momente. Wenn Zukunft nicht laut daherkommt, sondern sachlich erklärt wird. Wenn Technik nicht als Hype verkauft wird, sondern als Lösung. Und wenn man spürt: Hier brennt jemand für seine Idee.
Am Ende habe ich in die Runde geschaut und gesagt: Es geht um Unternehmertum, Mut und Herzblut.
Und ganz ehrlich – wenn der Stau irgendwann unter uns liegt, dann wissen wir, dass wir dabei waren, als aus einer Vision ein Markt wurde.